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Die Aach: eine Erfolgsgeschichte

Bäche und Flüsse stellen einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere dar. Der Mensch hat sich diesen zu Eigen gemacht und gestaltet all die Fließgewässer ganz nach seinem Belieben – oftmals ohne Rücksicht auf seine Mitlebewesen. Laut Wolfgang Engelhardt könnten allein auf einen einzigen Quadratmeter eines natürlichen Flusses tausende von Tieren leben. Einen Fluss, der so in Mitteleuropa nicht mehr zu finden ist.

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Bildergalerie vom Bodensee

 

Fakten: Die Radolfzeller Aach entspringt einer Quelle in der Kleinstadt Aach, dem sogenannten „Aachtopf“, der als wasserreichste Karstquelle Deutschlands gilt und zu zwei Dritteln aus dem versickerten Wasser der Donau gespeist wird. Der 32 Kilometer lange Fluss mit einem Einzugsgebiet von 261 Quadratkilometern nimmt von seinem Ursprung aus den Weg durch das kleine Dorf Beuren an der Aach bis hin nach Singen und endet bei der Stadt Radolfzell, wo er in den Bodensee mündet.

Wie bei den meisten Flüssen Deutschlands, wurden auch an der Radolfzeller Aach unzählige Eingriffe wie der Bau von Mühlenkanälen oder Begradigungen unternommen. Die erste von Menschenhand aufgezeichnete Veränderung wurde auf 1495 datiert. Zu unserer Zeit dann wurde ein Kanal angelegt, welcher die Länge des Gewässers auf erschreckende 40 Prozent reduzierte und an dessen Stelle mittelalterliche Mühlenwehre abgerissen wurden. Der letzte Eingriff war 1964, bei dem die Aach weitere vier Kilometer ihre Länge einbüßte.  1991 dann haben Landschaftsökologen den Fluss zu 30% als natürlich und zu 70% als naturfern bis sogar als naturfremd eingeordnet. Zu den Gründen, die zu dieser katastrophalen Einschätzung führten, zählt man die Gewinnung von landwirtschaftlichen Flächen, die Zunahme von Siedlungsflächen, die Produktion von Fischen und Fischteichen und der Ausbau von Verkehrswegen, um nur einige der Punkte zu nennen. Die Folgen hingegen waren gravierend. Neben der Verkleinerung von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere, hatte auch die Selbstreinigungskraft des Flusses um ein Vielfaches abgenommen. Hinzu kam noch, dass dieser mit Medikamenten und Futterresten aus den Fischteichen verschmutzt iwar und negative Auswirkungen für wandernde Wassertiere ersichtlich wurden.

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Die Renaturierung

1988 kam es in Beuren zu einem Dammbruch, aufgrund dessen ein Mäander in einem Maisfeld entstand. Der damalige BUND-Vorsitzende, der diesen Vorfall beobachtet hatte, wandte sich an das Wasserwirtschaftsamt in Konstanz, wodurch die ersten Steine ins Rollen kamen: Das Regierungspräsidium in Freiburg sah dadurch eine Renaturierung der gesamten Radolfzeller Aach vor – ein Vorhaben, dass damals in Deutschland im Bereich der Gewässerentwicklung eher die Ausnahme war. Nur ein Jahr später, 1989, sollte dann ein „Wasserwirschaftlich-Ökologisches Entwicklungskonzept“  für die Aach erstellt werden.

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Große Schwierigkeiten machten bei diesem Unterfangen vor allem der Bauernverband, der damals in erster Linie den aus der Anwendung des Konzepts hervortretenden Flächenverlust fürchtete. Nach eine Analyse jedoch stellte sich heraus, dass die Bauern und Landwirte ohne große Verluste fast die Hälfte an Fläche, die für die Renaturierung benötigt wurde, zur Verfügung stellen konnte. Die Flächen, die sich im Umland der Aach bereits im Privatbesitz befanden,  wurden Teils aufgekauft und Teils der Öffentlichkeit überführt. Durch Pressearbeit, Videos und diverse Berichte wurde auch die Bevölkerung für das Konzept sensibilisiert, denn ihre Mithilfe und Akzeptanz war für das Vorhaben, die Aach zu retten, entscheidend.

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Die Renaturierung begann mit dem Dammbruch in Beuren. Allein in den Jahren 1988 bis 2003 hat die Aach das Dreifache an Breite zugelegt, eine kanalartige Teilstrecke von 700 Metern wurde noch in den 80’ern geräumt und mittlerweile bilden sich auch die ersten Kiesbänke aus. Am Ufer wurden neue Bäume und Sträucher gepflanzt, die sich zu einem kleinen Auwald entwickeln sollen. 1996/97 wurde eine Rauhe Rampe als Ersatz des Wässerwiesenwehrs erbaut, wodurch gewährleistet werden sollte, dass der Fluss nicht rückwärts erodiert, wodurch eine Gefährdung der Autobahnbrücke hätte resultieren können. Die Rampe wurde so konstruiert, dass sie für Fische und die Kleinlebewesen der Aach kein Hindernis darstellt. Außerdem wurde ein neues 300 Meter langes Flussbett für die Aach in Form eines Doppelmäanders angelegt und das Ufergebiet, in dessen Umkreis sich die Autobahn und ein Hochspannungsmasten befinden, mit größeren Felsbrocken gesichert. Inzwischen wachsen auch mehrere Meter hohe Gehölze, jede Menge Sträucher und Stauden und ein ganzer Brombeerwald am Ufer. Neben der Aach wurde, ursprünglich zur Wiesenwässerung, ein kleiner Bach von 200 Meter Länge angelegt und die von der Aach mit Wasser versorgten Fischteiche, die den Fluss mit giftigen Stoffen verseuchten, wurden zerstört. Im Umland der Aach wurden noch 17 Blänken erschaffen, dass sind kleine Vertiefungen im Boden, in welchen die meiste Zeit über das Wasser steht. Die natürlichen Senken in den Flussauen waren schon lange beseitigt gewesen. Seit 2004 wird auch die Beweidung mit Heckrindern ausprobiert, welche das nasse Ufergebiet der Aach für weitere Tierarten, wie für Wat- und Wasservögel, reizvoller machen sollen.

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Die Renaturierung wies bereits von Anbeginn erste Erfolge auf. Elf verschiedene Arten von Wat- und Wasservögeln haben sich im Gebiet der Aach bereits eingenistet und gebrütet, weitere 30 Arten waren vorübergehend zu beobachten. Vor allem Waldwasserläufer,  Bruchwasserläufer und Bekassinen scheinen sich in dem neuen Gebiet außerordentlich wohlzufühlen. Besonders erfreulich ist jedoch, dass sich der Biber im Jahre 2002 angesiedelt hat, der das Gebiet noch einmal ganz neu und vielseitig umstrukturieren wird.

Ziel für die Zukunft, ist, die ganze Aach für viele verschiedene Tierarten bewohnbar zu machen, weitere Teiche und Tümpel anzulegen und alles in allem einen Fluss mit größtmöglicher Eigendynamik zu erschaffen. Die Radolfzeller Aach wird zum weltweiten Exempel eines lebenden und belebten Flusses.

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Kostenträger des groß angelegten Projektes sind: die Wasserwirtschaft BW, das Straßenbauamt Konstanz, die Stiftung Naturschutzfond BW, der BUND BW und die DUH.

 

 

 

 

  © Bild 5:     By Steve from washington, dc, usa (American Beaver) [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

 23. Januar  2017  17:47:
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